Haslers Bull

Das Hasler Ariete Geschoss gehört zu den besten jagdlichen monolithischen Geschossen auf dem Markt. In Bezug auf Präzision hat es kaum Konkurrenz, und seine Wirkung im Ziel gehört zur Spitzenklasse. Dieses Mal erhielten wir ein weiteres Hasler-Geschoss mit dem Namenszusatz Bull zum Test. Wie schlägt es sich im Vergleich zu seinem erfolgreichen Vorgänger?
Titelbild: Hasler Bull Geschoss.
Das italienische Unternehmen Hasler, das sich auf die Herstellung monolithischer Geschosse für das Wiederladen spezialisiert hat, wurde in unserem Magazin bereits im Zusammenhang mit dem hochwertigen und weitgehend universell einsetzbaren Ariete-Geschoss vorgestellt. Im Sortiment des Herstellers finden sich jedoch auch etwas spezialisiertere Jagdgeschosse, konkret das Hunting-Geschoss, das leichter deformiert und somit für die Jagd auf Nieder- und Raubwild geeignet ist, sowie das robustere Bull-Geschoss, das für die Jagd auf hartes Wild bestimmt ist. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf das Bull. Bevor wir ins Detail gehen, sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass Hasler seit unserem letzten Artikel auch Fabrikpatronen mit Ariete- und Hunting-Geschossen herstellt. Diese werden jedoch derzeit nicht nach Tschechien importiert, und das Bull-Geschoss bleibt weiterhin ausschließlich als Komponente erhältlich – somit ist es zumindest vorerst ein Thema ausschließlich für Wiederlader.
„Das System von Rillen reduziert den Widerstand des Geschosses beim Durchlauf durch den Lauf, was zu einem etwas ruhigeren Schussverhalten, höherer Geschwindigkeit und geringerer Belastung und Erwärmung des Laufs sowie somit zu geringerem Verschleiß führt!“
Konstruktion
Das Hasler Bull Geschoss wird, wie das Ariete, durch spanende Bearbeitung aus einem Rundmaterial einer speziellen Kupferlegierung gefertigt. Dieses Fertigungsverfahren sorgt für eine außergewöhnliche Konsistenz, was sich sowohl in perfekt bearbeiteten Oberflächen als auch in einer praktisch vernachlässigbaren Gewichtstoleranz der einzelnen Geschosse widerspiegelt – was ich durch eigene Messungen bestätigen kann. Die ogivale Geschossform, im Vergleich zum Ariete auffallend weniger „spitz“, soll laut Hersteller eine bessere Balance zwischen terminaler Wirkung im Ziel und äußerer Ballistik bieten. Kurz gesagt: ein Kompromiss zwischen spitzem „Spitzer“ und klassischer Rundspitze. Der ballistische Koeffizient ist dennoch solide – zum Beispiel liegt er für die Variante .308/167gr bei BC 0,51. Der Geschossboden ist leicht abgeschrägt, im vorderen Bereich befindet sich eine Expansionshohlspitze, abgedeckt mit einer widerstandsfähigen aerodynamischen Kunststoffspitze aus grünem Polymer. Wie auch beim Ariete finden sich auf der Oberfläche Rillen, die im Bereich von wenigen Zehntelmillimetern aus dem Geschosskörper hervortreten. In diese greifen die Züge und Felder des Laufs ein. Diese Konstruktion reduziert den Widerstand des Geschosses im Lauf, was zu etwas ruhigerem Schussverhalten, höherer Geschwindigkeit und geringerer thermischer sowie mechanischer Beanspruchung des Laufs führt – im Vergleich zu einem konventionellen Geschoss gleicher Parameter. Darüber hinaus lassen sich Hasler-Geschosse dank dieser Eigenschaft auch in Läufen mit langsamerer Dralllänge stabilisieren.
Das Angebot an Bull-Geschossen ist leider auf nur fünf Optionen in zwei Kalibern begrenzt. Konkret (Kaliber/Gewicht): .284/125,139 gr, .308/159,167,180 gr. Im Vergleich zum Ariete mit 23 Varianten in 9 Kalibern ist das ein deutlicher Unterschied. Ich habe die Variante .308/167gr getestet, und zwar in Patronen .308 Win und .300 Blackout.
Vorteile / Nachteile
+ hervorragende Präzision
+ ausgezeichnete Wahl für hartes, kapitale Wild
+ keine Fragmentierung
- hoher Preis
- eingeschränkteres Einsatzspektrum
Beispiel begrenzter Deformation bei einer Auftreffgeschwindigkeit von etwa520 m/s.
Auf dem Schießstand
Mit dem Ariete-Geschoss erzielte ich eine Gruppierung knapp unter 0,5 MOA, also ging ich mit hohen Erwartungen mit dem Bull auf den Schießstand. Und ich wurde tatsächlich nicht enttäuscht! Es gelang mir, eine Streukreisgröße von 0,7 MOA zu erreichen (Schussentfernung 150 m, Mittelwert aus zwei 6-Schuss-Serien, jeweils mit Abzug des schlechtesten Treffers, gemessen Mitte-zu-Mitte). Wie üblich probierte ich mehrere Kombinationen aus Setztiefe und Pulverladung. Die besten Ergebnisse aus einem 457 mm langen Lauf mit einer Dralllänge von 1:10” erzielte ich mit 38,5 gr Pulver D037‑04 und einer OAL von 69 mm (Jump 2,3 mm), bei gemessener und gemittelter Geschossgeschwindigkeit von 751 m/s. Besonders hervorheben möchte ich, dass es zwischen den getesteten Kombinationen keine gravierenden Unterschiede auf der Zielscheibe gab. Die schlechteste lag bei etwa 1,2 MOA. Tests mit der .300 BLK ergaben schlechtere Präzision, knapp unter 2 MOA — es handelte sich schließlich um eine Selbstladebüchse mit nur 254 mm Lauflänge — aber auch hier zeigte sich nur ein geringer Unterschied zwischen der besten und schlechtesten Konfiguration, wobei die Dralllänge diesmal 1:7” betrug. Daraus schließe ich vorsichtig, dass das Bull-Geschoss zu den toleranten Geschossen gehört, die keine aufwendige Abstimmung erfordern. Für alle Hasler-Geschosse, einschließlich Bull, gelten jedoch einige Regeln, die beachtet werden müssen — siehe Box „Wiederladen“.
Die Präzision war auch bei „langsamen“ .300 BLK Patronen mit schnellem Drall zufriedenstellend. Ihre Geschwindigkeit reicht jedoch nicht aus, um das Geschoss zuverlässig zu öffnen.
Beispiel einer Schussgruppe auf 150 Meter.
Der Hersteller gibt an, dass das Bull-Geschoss eine außergewöhnliche Expansion erreichen kann — von ursprünglichen 7,62 mm auf fast 25 mm, ohne Fragmentation. Aufgrund meiner guten Erfahrungen mit der Marke Hasler halte ich das für möglich, aber meine Tests zeigen deutlich, dass dies eine hohe Auftreffgeschwindigkeit und widerstandsfähiges Zielmedium voraussetzt. Leider geben weder offizielle noch sonstige Quellen eine klare Angabe zur optimalen Schwelle, aber sie liegt sicher über der üblichen Mindestgrenze von 500 m/s. Bei dieser Geschwindigkeit deformiert sich die vordere Geschossspitze zwar, aber der Durchmesser nimmt nur geringfügig zu — wie auf einem der Fotos zu sehen ist. Bei höheren Geschwindigkeiten erwies es sich als unmöglich, das Geschoss aufzufangen. Ich verwende seit Jahren ein bewährtes Setup mit einer Schicht Leder, gefolgt von einem 50 cm Block Modelliermasse und einer Papierauffangschicht — doch das Bull-Geschoss durchschlug bei allen Versuchen mit über 600 m/s alles mühelos und verschwand irgendwo im Kugelfang des Schießstands.
Wiederladen
Die Rillenstruktur bringt beim Wiederladen einige Herausforderungen mit sich. Erstens verhalten sich alle Hasler-Geschosse besser mit ausreichendem Jump, also Abstand zwischen der Geschossoberfläche und dem Übergangskegel des Laufes. Der Hersteller gibt ein Minimum von 1 mm an. Wegen der Rillen ist das schwer zu messen, daher empfehle ich, vom maximalen CIP-OAL der Patrone 2 mm abzuziehen und von diesem Wert aus die Ladungsentwicklung zu starten. Der Hersteller empfiehlt außerdem die Verwendung eines leicht schneller abbrennenden Pulvers als das vom Ladeprogramm vorgeschlagene Optimum, da das Geschoss beim Laufdurchgang weniger Widerstand erzeugt. Schließlich gibt es eine Regel, dass bei Geschossen mit drei hinteren Rillen mindestens zwei davon beim Setzen Kontakt mit dem Hülsenhals haben sollten. Der Hülsenhals muss korrekt kalibriert sein, und ein leichtes Crimpen, um das Geschoss sicher an Ort und Stelle zu halten, ist ebenfalls von Vorteil.
Alle Hasler-Geschosse verhalten sich besser mit ausreichendem Jump, also Abstand zwischen der Geschossoberfläche und dem Laufprofil.
Hasler Bull ist die ideale Wahl für die Jagd auf hartes, kapitale Wild.Auf der Jagd
Dem Zustand des Geschosskanals im Ton nach zu urteilen, beginnt die untere Wirkschwelle wohl irgendwo bei 600 m/s. Eine Obergrenze muss man dagegen kaum fürchten. Das Ariete, gefertigt aus demselben Material, das durch außergewöhnliche Kohäsion besticht, fragmentierte nicht einmal bei einer gemessenen „Aufprallgeschwindigkeit“ von etwa 830 m/s – und das Bull dürfte sich, angesichts des Fehlens jeglicher Fragmente im Ton, genauso verhalten.
Das Bull eignet sich daher in erster Linie für die Jagd auf schweres, hartes Wild. Bei uns bedeutet das vor allem kapitale Rothirsche und große Keiler. Für Auslandsjäger, die auf Jagdreise gehen, ist das Einsatzspektrum deutlich breiter. Es handelt sich definitiv nicht um ein „Allroundgeschoss“ – für Niederwild, Raubzeug, weibliches oder schwächeres Wild und auch für den Großteil des mittelgroßen Wildes würde ich andere Optionen wählen. Das schränkte meine Testmöglichkeiten auf die Erlegung eines starken Keilers ein, aber das Ergebnis war mustergültig. Lungenschuss durch die Schulter auf knapp 100 Meter Entfernung. Kompletter Ausschuss, weder im Wildbret noch unter der Decke fand ich Fragmente oder Spuren davon. Einschuss kaum der Rede wert, Ausschuss etwa in der Größe einer Euro-Münze mit unregelmäßigem Rand. Das Wildbret war kaum beschädigt, dafür zeigte das Geschoss an den Organen seine volle Wirkung. Das Stück verendete nach zehn bis zwanzig Metern Flucht. Natürlich ist ein einzelner Abschuss nur begrenzt aussagekräftig, doch im Zusammenspiel mit den Schießstand-Tests und den Berichten anderer Jäger, die das Bull-Geschoss bereits länger führen, ergibt sich ein recht klares Bild, was man davon erwarten kann. Kurz gesagt: eine Speziallösung für hartes Wild in Kombination mit schneller Munition.
Die Fertigungsqualität bewegt sich auf absolutem Top-Niveau – was sich selbstverständlich auch im Preis widerspiegelt. Je nach Ausführung kostet das Bull-Geschoss zwischen 37,2 und 39 CZK pro Stück; die von mir getestete Variante lag bei 38,5 CZK (Verpackungseinheit: 50 Stück).
Hasler-Geschosse einschließlich der Bull-Variante sind erhältlich bei STROBL.CZ s.r.o. Weitere Informationen finden Sie unter strobl.cz oder auf der Website des Herstellers: haslerbullets.com
Bildquellen: Archiv des Autors
Autor: Tomáš Ježek
Der Artikel erschien ursprünglich in der Zeitschrift Lovec des Verlags Extra Publishing

